Pressestimmen über Martina Schwarzmann
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Eggenfelden, 25. November 2009

Stuttgart, Oktober 2009

Wochenendmagazin Fränkischer Sonntag der Tageszeitung Fränkischer Tag,
Bayerische Rundschau und Coburger Tagblatt, OKT. 2009

Bay. Wald ECHO 26|09|09

Chamer Zeitung 23|09|09

Neue Presse 12|02|09

DonauKurier Kultur 11|12|08
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PNP Deggendorf vom 28|07|08
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„So schee kons Leben sei“ - zum Beispiel mit Martina Schwarzmann beim Offenberger Schloss Open Air
Plaudereien mit schwarzem Humor, Gedichte und Lieder mit Biss: die Kabarettistin Martina Schwarzmann faszinierte 400 Besucher beim Open Air im Schloss-Innenhof Offenberg. (Foto: Eichwald)
Offenberg. So wunderbar lau wie die Nacht bei der Open Air-Vorstellung im Innenhof von Schloss Offenberg am Freitag war, so herrlich spitzfindig, aber auch hanebüchen sind die Beobachtungen von Martina Schwarzmann. Da konnten die fast 400 Zuhörer vollen Herzens in das Motto des Abends einstimmen „So schee kons Leben sei“. Mit einem „Griaß Euch“ und ihrer Gitarre betritt Schwarzmann die Bühne und freut sich, denn: „immer wenn ich einen Auftritt hab, muss ich auf koa Party“ - schon ist man mitten drin in einer losen Aneinanderreihung von (un-)möglichen Geschichten. Etwa der Story, wo dem Langhaarigen, der auf einer Party eingeschlafen ist, die Haare an die Tisch hingetackert werden und er dann dank einer Schere selbst entscheiden kann, „mit welcher Frisur er heimgeht“.. In einer gut dosierten Mischung zwischen frech und frivol kommt die 29-Jährige auf die weiten „Schnellscheißerhosen“ zu sprechen, mit deren Trägern man Erdnussflips-Mikado spielen kann. Ist sie nun eine gestrenge Lehrerin, die von den Rüpeleien und Zoten ihrer Schützlinge spricht oder ist sie die harmlose Unschuld vom Lande, bzw. die artige Schülerin, die mit einer ungeheuren Ernsthaftigkeit den Belanglosigkeiten des Alltags nachgeht? Schwarzmanns Masche ist die vermeintliche Naivität, die es ihr erlaubt, auch derbe Sprüche loszulassen, ohne dass diese ordinär wirken. In ihrem fast zweistündigen Programm reißt sie ein Dutzend Themen an, mal als kleine Geschichte, mal als Gedicht, mal in ein Lied verpackt. Oft sind es, lässt sie nach der Vorstellung durchblicken, eigene Erlebnisse, die sie für die Sketche mit abstrusem Ausgang inspirieren. Vom „Wellnessen“ im Bayerischen Wald, und Erfahrungen im imaginären Kornampfing, wo aus dem Metzgerwirt ein Wellness-Hotel mit gleichem Personal geworden ist, schwadroniert Schwarzmann, dass „Pressack koa Lifestylefood“ ist, amüsiert sich darüber, dass man es als Liedermacher nur mit einem „Maikäferlied“ zu etwas bringt und macht sich Gedanken über den „König vom Wertstoffhof“, der ihr unmissverständlich („geht doch, man muss nur was sagn“) zu verstehen gegeben hat, dass das Bierfilzl wieder aus dem Altpapier raus muss. Deshalb hat sie, „grantig“ über diesen Vorfall, „ein Lied drüber geschrieben“. Schwarzmanns Spektrum ist breit: Um auf den Pflegenotstand aufmerksam zu machen, verspricht sie den anwesenden Senioren, die sich nicht mehr bücken können, die Zehennägel zu schneiden; zu den Highlights zählen ihre Tirade aufs „Gschieß machen“, die Erinnerungen ans verhinderte Auswandern vom „Kletznsepp“ samt der wichtigen Erkenntnis, dass Jennifer sich von Genoveva ableitet. Weil ihr 30. Geburtstag bald naht (Februar 2009) macht sie das Programm bei ihrer Zugabe rund, kommt wieder auf Partys zu sprechen, die Ü 30-Partys, die die Österreicher missverstanden haben, als Ö 30-Partys mit mehr als 30 Österreichern“ Und in zehn Jahren? „Da reden wir über das Zeugnis meiner Kinder“ .
Josefine Eichwald

"Kabarettistinnen im politischen Kabarett des öffentlich-rechtlichen Fernsehens"
Es handelt sich um eine Diplomarbeit von Katharina Albrecht im Fachbereich "Journalistik/Medienmanagement" an der Fachhochschule Magedurg-Stendal. Zweck der Arbeit ist es, hemmende und förderne Faktoren für politische Kabaretistinnen im ö-r Fernsehen herauszufinden und auch allgemein die Frage zu klären, warum insgesamt so wenige Kabarettistinen im Fernsehen vorkommen.
Martina Schwarzmann, Interview vom 26.4.08
Katharina Albrecht: Du hast mal in einen Interview gesagt, dass du schon zu Schulzeiten der Klassenclown warst, wie kann man sich das vorstellen?
Martina Schwarzmann: Das kann man sich so vorstellen dass ich schon damals immer einen treffenden Kommentar parat hatte, der halt alle zum Lachen bringt und der gerade passt.
Katharina Albrecht: Also warst Du schlagfertig?
Martina Schwarzmann: Ja ich war schon immer schlagfertig. Und ich hab schon immer das sagen müssen was mir eingefallen ist, weil wenn ich es nicht gesagt hätte, wäre ich daran erstickt.
Katharina Albrecht: Woher kommt das? Kriegt man das schon von zu Hause mit?
Martina Schwarzmann: Wahrscheinlich. Ich denk schon, dass man das von zu Hause mitkriegt, dass man seine Meinung sagt. Wenn daheim keiner sein Meinung sagt, dann wird man auch als Kind nicht so, dass man immer aktiv sagt, was einem nicht passt.
Katharina Albrecht: Ist das nicht ein Problem in der Schule? Es gibt ja Theorien darüber, dass Jungs und Mädchen unterschiedlich behandelt werden. Ist da mal was aufgefallen? Wurdest Du eher mal zur Ordnung gerufen eventuell?
Martina Schwarzmann: Nein eigentlich überhaupt nicht. In meiner Kindheit hat das eine sehr geringe Rolle gespielt, ob ich jetzt ein Mädchen oder ein Junge bin. Also ich habe als Kind auch Fußball gespielt und auch daheim hat es eher später eine Rolle gespielt. Ich sollte meiner Mama eher helfen in der Küche als meine Brüder, aber ansonsten also in meiner Freizeitgestaltung oder wie ich ansonsten gelebt hab, hat das keine Rolle gespielt, ob ich ein Mädchen oder Junge bin.
Katharina Albrecht: Aber Du hast Brüder?
Martina Schwarzmann: Ich hab zwei Brüder und eine Schwester.
Katharina Albrecht: Und sind die älter?
Martina Schwarzmann: Ich hab einen großen Bruder, kleine Schwester und einen kleinen Bruder. In einem Zeitraum von zehn Jahren.
Katharina Albrecht: Aha. Und ist es bei Dir zu Hause auch schon humorig zugegangen?
Martina Schwarzmann: Ja sehr, sehr. Den Humor hab ich mit Sicherheit zu einem Großteil von meinem Papa, der also immer schon einen sehr bösen Humor hatte. Das ist dann schon was, was man übernimmt.
Katharina Albrecht: Böse?
Martina Schwarzmann: Ja also, wenn ich meinem Papa gesagt hab, ich hab Bauchweh, dann hat er gesagt, ‚ dann hack Dir den Fuß ab, dann tut Dir der Bauch nicht mehr weh’.
Katharina Albrecht: Ah ja. Du hattest einen Auftritt bei „Ladies Night“. Ein Format für Kabarettistinnen, ob nun politisch oder nicht. Da hast Du gesagt ohne das auf die Goldwaage legen zu wollen, was jemand so auf der Bühne sagt feministisches Feingefühle fehlt Dir, weil Dir zu Hause keiner beigebracht hätte, dass es einen Unterschied zwischen Männern und Frauen gäbe.
Martina Schwarzmann: Ne das nicht. Ich hab gesagt: ‚Es hat mir keiner beigebracht, dass auch die Frau die Unterdrückte sein könnte.’
Katharina Albrecht: Ach genau. Das fand ich sehr schön.
Martina Schwarzmann: Und es ist ja oft so, dass daheim oft eher die Frauen anschaffen. Es ist ganz unterschiedlich. Und das feministische Feingefühl fehlt mir, weil ich zu einer Generation gehör, die sich viele Sachen nicht mehr erkämpfen musste. Und die dass nicht mehr zu schätzen wissen, wenn jemand vorher jahrelang für die Frauenrechte gekämpft hat. Für einen selbst war das aber nie ein Thema und man denkt immer, was haben die jetzt eigentlich? Ich hab gerade so ein paar Auftritte gehabt, wo ich von Frauen engagiert wurde. Um den Weltfrauentag rum häuft sich das. Hinterher führt man dann immer noch Diskussionen zum Thema Feminismus und das ist für mich sehr interessant, weil ich die dann auch besser verstehe. Wenn man sich einfach darüber unterhält, dann verstehen die mich dann auch, dass es für mich eben nie ein Thema war.
Katharina Albrecht: Ist es bisher keins für Dich geworden? Heißt das, Du hast Dir nie Gedanken darüber gemacht, bevor Du Dich beim Fernsehen beworben hast, dass man es als Frau eventuell schwerer haben könnte mit Humor auch im Fernsehen erfolgreich zu sein?
Martina Schwarzmann: Nein. Da hab ich mir nie Gedanken gemacht, weil ich mir denke, dass man als Frau im Endeffekt, dann eigentlich sogar bessere Chancen hat. Gerade in gemischten Abenden, wo vier Künstler auftreten also im Fernsehen ist das oft so oder auch bei „Mixed-Shows“ da haben die Veranstalter oft den Anspruch, dass mindestens eine Frau dabei ist. Wenn man jetzt aber Kabarettisten und Kabarettistinnen im Überblick sieht, sind es mit Sicherheit weniger als 25% Frauen. Das heißt die Chance in eine Sendung zu kommen oder in eine „Mixed-Show“ ist eigentlich höher.
Katharina Albrecht: Das heißt Frauen haben es eigentlich leichter?
Martina Schwarzmann: Leichter haben sie es nicht aber wenn man gut ist, hat man trotzdem alle Möglichkeiten.
Katharina Albrecht: Aber leichter haben Sie es dann trotzdem nicht?
Martina Schwarzmann: Ich glaub, dass das egal ist.
Katharina Albrecht: Also, dass es egal ist, ob man ein Mann oder eine Frau ist.
Martina Schwarzmann: Ja, ja. Man muss halt gut sein und dann setzt sich das auch durch.
Katharina Albrecht: Du bist ja viel auf den Dritten Programmen zu sehen gewesen. Warst in den diversen Kabarettsendungen. Ist Dir dort irgendwann mal was aufgefallen, wo Du gedacht ‚oh dass ist jetzt aber komisch, warum behandeln die mich so und nicht anders`?
Martina Schwarzmann: Nein, nein, nein. Man wird immer als Künstlerin gebucht, weil man das ist, was man ist und da wird man nicht anders behandelt. Punkt. Also da wär ich nie auf die Idee gekommen.
Katharina Albrecht: Auch nicht im Gespräch mit Programmverantwortlichen, Redakteuren und so?
Martina Schwarzmann: Nein, nein. Ich hab mal eine Agentur gehabt, die mir gesagt hat, dass Frauen schwer zu vermitteln sind. Das war das einzig negative, wo ich aber gemerkt hab, dass das nicht stimmt.
Katharina Albrecht: Haben die einen Grund genannt?
Martina Schwarzmann: Nein. Die haben einfach gesagt. Dass Frauen schwerer zu vermitteln sind als Männer. Und ich kann mir das zum Teil schon vorstellen, denn es gibt schon Vorurteile gegenüber Frauenkabarett. Ein Vorurteil ist halt, dass es automatisch männerfeindlich ist. Und wenn man das macht, dann ist es natürlich was, was dem Frauenkabarett im Allgemeinen natürlich auch schadet. Weil es wird dann oft so als Emanzenkabarett abgetan und keiner schaut sich das freiwillig an. Ich hab auch schon Programme gesehen, von Künstlerinnen wo sie das halbe Programm nur davon erzählt, dass sie ne Frau ist und jetzt aber trotzdem hier steht. Und das will keiner hören. Und das interessiert auch nicht, weil es auch nicht wichtig ist. Man muss es ja nicht thematisieren, man sieht es ja, dass es eine Frau ist. Und das ist dann das, was den Zuschauer nervt und wo man dann Vorurteile hat. Wer einmal in so einer Vorstellung war, der denkt dann ‚Frauen, nein da geh ich nicht hin’.
Katharina Albrecht: Aber in Deinem Programm sieht man ja, dass Frauenkabarett nicht automatisch männerfeindlich sein muss. Du bist ja nicht männerfeindlich.
Martina Schwarzmann: Nein, nein. Bin ich überhaupt nicht. Ich bin jedem gegenüber gleich feindlich oder gleich freundlich.
Katharina Albrecht: Wir haben ja eigentlich gerade schon kurz darüber geredet. Du hast mal gesagt, Vorbilder hast Du eigentlich nicht aber Fredl Fesl und Hans Söllner die findest du halt toll, da gibt es ja auch einige Parallelen. Fällt Dir auch eine Frau ein, die Du toll findest?
Martina Schwarzmann: Wer mich später sehr beeindruckt hat dass war Dodo Hug, das ist eine Kleinkünstlerin aus der Schweiz. Ich hab eine CD von ihr gehabt. Als ich achtzehn war bin ich für ein halbes Jahr in die Schweiz gegangen und da hab eine CD von ihr gefunden und die fand ich dann auch ganz gut.
Katharina Albrecht: Humor ist ja eine ganz spezielle Sache. Was kann Humor Deiner Meinung nach bewirken?
Martina Schwarzmann: Humor verbindet sehr stark, wenn man den gleichen Humor hat. Und Lachen löst einfach ein gutes Gefühl aus.
Katharina Albrecht: Bei Tucholsky wird Humor auch als Waffe bezeichnet und Kabarett ist ja auch traditionell gegen die Obrigkeit…
Martina Schwarzmann: Ja man kann mit Humor den Leuten mehr vermitteln, weil man es sich eher merkt. Man merkt sich einen Witz mehr, als wenn man jetzt einfach ohne Humor eine Geschichte erzählt. Und wenn dann was Lustiges dran ist, dann weiß man schon, denn das worüber man gelacht hat, daran erinnert man sich und dann bringt man auch den Rest der Geschichte zusammen. Und so ist das auch mit den Botschaften, die man vermitteln will. Also ich hab ein Lied im aktuellen Programm, da geht´s drum, dass die deutschen aussterben und das man das doch verhindern sollte. Und das Lied heißt „Pimpern für den Frieden“. Und durch diesen Titel merken die sich das Thema. Und wenn das jetzt nicht lustig wäre, dann würden die sich denken ‚och ich will jetzt nichts hören von Überalterung, es langweilt mich’. Und man muss halt versuchen die Sachen, die einem wichtig sind, so zu vermitteln, dass der Gegenüber sie gerne aufnimmt.
Katharina Albrecht: Was hälst du von der Theorie, dass Humor auch ein Bewältigungsmechanismus sein kann. Gerade auch für unterdrückte Gruppen, zum Beispiel Schwarze zu Zeiten der Rassendiskriminierung in den USA, die ja dann auch Humor genutzt haben, um die Sachen besser auszuhalten. Hast Du so was bei Dir auch schon mal festgestellt?
Martina Schwarzmann: Ja, ja klar. Bei mir ist das immer so, wenn mir irgendetwas passiert und viele Sachen die ich im Programm erzähle sind ja authentisch und wenn mir dann was Negatives passiert, versuch ich dann auch was Lustiges draus zu machen, damit sich das gelohnt hat. Es ist dann kein Schaden, wenn ich es in etwas Lustiges umwandeln kann. Immer wenn man über Sachen lacht, dann nimmt man den Schrecken.
Katharina Albrecht: Welche Funktion hat Kabarett heutzutage? Hat es überhaupt noch eine und wenn ja welche ist das?
Martina Schwarzmann: In erster Linie wahrscheinlich eine unterhaltende Funktion. Aber wenn es wirklich gutes politisches Kabarett ist, hat es auch eine aufrüttelnde und informierende Funktion.
Katharina Albrecht: Und das kann es auch heutzutage noch leisten?
Martina Schwarzmann: Ja, ja denk ich schon.
Katharina Albrecht: Nun zu Deinem ProgramMartina Schwarzmann: Du setzt Dich ja eher mit Alltagsthemen auseinander. Sind das Deine Lieblingsthemen?
Martina Schwarzmann: Es gibt eigentlich keine Lieblingsthemen, sondern das sind alles Themen, die mir selbst passiert sind oder die mich selber bewegen. Das ändert sich auch immer wieder von Programm zu Programm, weil man auch älter wird. Man kommt in einen anderen Lebensabschnitt rein, die Umstände sind andere und dann ändern sich auch die Themen mit denen man sich beschäftigt.
Katharina Albrecht: Interessierst Du Dich pauschal für Politik?
Martina Schwarzmann: Eher im regionalen Bereich. Das was mich persönlich betrifft. Früher hab ich mich noch mehr interessiert und informiert. Für mich ist Politik zum Teil so unübersichtlich. Es fehlen mir da die klaren Profile, so dass ich da mal durchblicken würde, um was es denn jetzt schon wieder geht.
Katharina Albrecht: Und die Sachen, die Dich regional selber betreffen, darüber bist Du schon informiert?
Martina Schwarzmann: Ja da bin ich informiert.
Katharina Albrecht: Und was ist mit Frauenpolitik?
Martina Schwarzmann: Ich glaub, dass Frauen in der Politik besser sind, weil sie mehr Feingefühl haben. Ich glaub, dass sie ein besseres Gefühl haben und weniger Zahlen im Kopf und dann auch eher über den Bauch dann entscheiden und dass das dann auch gute Entscheidungen sind.
Katharina Albrecht: Du hast ja bei „Ladies Night“ dieses Lied von der Gummipuppe gebracht. Das könnte man auch als etwas Emanzipatorisches deuten.
Martina Schwarzmann: Ist es auch.
Katharina Albrecht: Würdest Du sagen, dass ist auch etwas politisch.
Martina Schwarzmann: Da mache ich mir keine Gedanken drüber. Das kann jeder interpretieren, wie er will und die Aussage von dem Lied ist: ‚Wenn Du nicht willst, dass deine Frau Dich nervt, dann kauf Dir eine Gummipuppe und dann hast Du Deine Ruhe.’ Und da haben aber auch schon Frauen unter Protest den Saal verlassen bei dem Lied, weil Sie es als frauenfeindlich interpretiert haben. Aber es ist eben jedem selber überlassen, was er darüber denkt.
Katharina Albrecht: Das kann man sich gar nicht vorstellen. Waren das eher ältere Frauen?
Martina Schwarzmann: Nein so vierzig fünfzig.
Katharina Albrecht: Naja schon ein bisschen älter.
Martina Schwarzmann: Ja.
Katharina Albrecht: Könntest Du Dir vorstellen mal rein politisches Kabarett zu machen?
Martina Schwarzmann: Nein kann ich mir nicht vorstellen, weil ich da zu wenig Ahnung habe. Und weil es für mich da wichtig ist, dass wenn man politisches Kabarett macht, darf man nicht alles schlecht reden. Und wenn man das macht, dann muss man auch Verbesserungsvorschläge machen. Und da hab ich keine. Also weil ich mich einfach zu wenig auskenne. Die Zusammenhänge in der Politik, die sind so komplex, das ist ein Fulltimejob.
Katharina Albrecht: Diesen Anspruch hättest Du dann theoretisch schon, dann auch zu sagen, wie es besser geht?
Martina Schwarzmann: Ja, ja. Also ich hätte den Anspruch, dass man dann einen Verbesserungsvorschlag macht. Oder zumindest, dass die Informationen auch wirklich hundertprozentig richtig sind, die ich dann da erzähle. Das kann man aber als Außenstehender oft gar nicht wissen und nicht beurteilen.
Katharina Albrecht: Wenn Du nun männliche politische Kabarettisten siehst, hast Du den Eindruck die machen das?
Martina Schwarzmann: Ich hab schon das Gefühl, dass die eine Ahnung haben. Ich bin mit Klaus von Wagner, Phillip Weber, Mathias Dretter ganz gut befreundet und wir haben auch immer wieder gemeinsame Auftritte und die sind echt informiert. Das macht aber auch richtig Arbeit.
Katharina Albrecht: Und machen die Verbesserungsvorschläge? Das sind ja wahrscheinlich dann keine ernst gemeinten Sachen. Dass die sich wirklich hinstellen und sagen ich mach jetzt einen Verbesserungsvorschlag.
Martina Schwarzmann: Also manchmal schon. Da haben sie schon Vorschläge, die dann auch ins Lustige gehen oder wo man manchmal denkt ‚ja logisch, klar so wär´s ja noch viel besser’. Aber ich hab jetzt kein konkretes Beispiel parat.
Katharina Albrecht: Gibt es irgendwelche Tabus bei Dir, die Du niemals auf der Bühne ansprechen würdest?
Martina Schwarzmann: Da bin ich bis jetzt noch auf kein Tabu gestoßen.
Katharina Albrecht: Abgesehen von Politik?
Martina Schwarzmann: Das ist auch kein Tabu. Wenn ich zu dem Thema was zu sagen habe, dann sag ich das auch.
Katharina Albrecht: Du hattest mal was zur CDU-Politik gesagt. Das hatte auch mit Regionalpolitik zu tun. Ich krieg es gerade nicht mehr zusammen, weißt Du noch was das war?
Martina Schwarzmann: Vielleicht, das man im Regionalen sowieso farbenblind wird, wenn man nach Parteien schaut. Denn es ist ja im regionalen eher so, dass man Typen wählt und keine Parteien. Bei uns ist es so, wenn einer Bürgermeister werden will, dann geht er zu der Partei, die gerade noch keinen Kandidaten hat. Es ist egal welche Einstellung er hat. Es gibt SPD Bürgermeister, die schwärzer sind als der schwärzeste CDUler. Andersrum gibt´s welche, die dann bei den Freien Wählern sind, das kann man alles nicht unterscheiden.
Katharina Albrecht: Und so was sagst Du dann auch schon mal.
Martina Schwarzmann: Ja. Wenn es halt gerade passt oder wenn mir danach ist oder wenn mich jemand danach fragt.
Katharina Albrecht: Und was ist mit Themen wie Religion?
Martina Schwarzmann: Religion ist schon immer auch ein Thema, weil ich ja katholisch bin. Aber das war aber früher verstärkt ein Thema, jetzt eigentlich weniger.
Katharina Albrecht: Und was ist mit Sexualität?
Martina Schwarzmann: Das gibt´s kein Tabu. Nein!
Katharina Albrecht: Was ist Dein Erfolgsgeheimnis? Kannst Du das auf eine Formel bringen?
Martina Schwarzmann: Dass ich einfach nicht so viel drüber nachdenke, was mein Erfolgsgeheimnis ist.
Katharina Albrecht: Wer ist Dein Publikum, wer kommt in Dein Programm?
Martina Schwarzmann: Jeder, jeder. Es sind wirklich alle Schichten. Also zum Teil sitzen da drei Generationen zusammen. Die Mutter mit der Oma und der Tochter kommt ins Kabarett und alle drei amüsieren sich.
Katharina Albrecht: Kommen sowohl Männer als auch Frauen?
Martina Schwarzmann: Ja, ja ganz gemischt. Das ist eigentlich sehr ausgeglichen. Ich glaube, dass genauso viele Männer wie Frauen kommen.
Katharina Albrecht: Also fifty-fifty.
Martina Schwarzmann: Ja.
Katharina Albrecht: Man kriegt das ja mit, wenn man längere Erfahrung hat, wann das Publikum, wie reagiert. Gibt es „Lachunterschiede“ zwischen Männern und Frauen? Ist Dir da mal was aufgefallen?
Martina Schwarzmann: Es kommt drauf an. Was oft interessant ist, ist wenn der Mann dann total lacht und die Frau ihm eine reinhaut dafür.
Katharina Albrecht: So was passiert?
Martina Schwarzmann: So was gibt´s auch, ja.
Katharina Albrecht: Hast du ein Beispiel?
Martina Schwarzmann: Zum Beispiel erzähle ich im aktuellen Programm, wie das ist wenn die Frau „gschieß“ macht, wie das funktioniert. Und ich frag dann, ob sie wissen was „gschieß-machen“ ist und wenn dann der Mann ganz laut sagt ‚Jaaa!’ und die Frau haut so ihm eine rein, dann ist klar, was da zu Hause los ist.
Katharina Albrecht: Funktioniert das auch umgekehrt?
Martina Schwarzmann: Umgekehrt gibt´s auch. Im letzten Programm ging es darum, dass ich so wehleidig, so schmerzempfindlich bin, weil ich wahrscheinlich zu viele männliche Hormone hab. Und da ist es öfter mal passiert, dass eine Frau ihrem Mann über den Kopf gestreichelt hat. Die waren sich gar nicht bewusst darüber, dass ich das sehe und das hat mich dann schon sehr amüsiert.
Katharina Albrecht: Das heißt Du spielst schon auch mit Geschlechterklischees?
Martina Schwarzmann: Nein. Würd´ ich nicht sagen, sondern eher, dass ich ganz normale Sachen einfach mal anspreche und da einen Lösungsvorschlag mache.
Katharina Albrecht: Aber zu sagen ‚Männer sind wehleidiger’ ist doch ein Klischee.
Martina Schwarzmann: Das ist ein Klischee. Ja, wo ich dann erst sag, dass ich zu wehleidig bin und das daran liegt, dass ich zu viele männliche Hormone hab.
Katharina Albrecht: Das heißt Du nimmst Dich oft auch selbst auf die Schippe?
Martina Schwarzmann: Ja, ja sehr oft.
Katharina Albrecht: Kommt es auch vor, dass Du nur angreifst?
Martina Schwarzmann: Nein, nein. Es ist immer recht ausgeglichen, weil ich find man kann ja nicht immer nur die anderen angreifen und sich selber rausnehmen.
Katharina Albrecht: Findest Du es selber lustig, wenn andere das machen?
Martina Schwarzmann: Man merkt oft, das jemand das überhaupt nicht vertragen kann, wenn man über ihn lacht und das find ich ist ein Mangel.
Katharina Albrecht: Wie gehst Du damit um, wenn es mal nicht so gut läuft? Was ist, wenn nach dem ersten Gag keiner lacht?
Martina Schwarzmann: Ja das ist kein Problem. Das mach ich manchmal auch bewusst. Also im letzten Programm hab ich das ganz bewusst gemacht, dass ich halt auf die Bühne gegangen bin und das Publikum erstmal hängen lassen hab. Und wenn ich außerhalb von Bayern gespielt habe und dann nur bayerisch gesprochen habe und die halt nichts verstanden haben, dann hab ich das erste Lied gespielt und dann haben die immer noch nichts verstanden und dann hab ich halt abgebrochen und hab´s noch mal erklärt. Aber die paar Minuten, in denen die drin sitzen und dann denken ‚Scheiße, wir hätten was anderes machen sollen heute’, das sind die Minuten, die ich dann richtig genieße und wo ich auch weiß, dass muss ich jetzt auch wieder rum reißen.
Katharina Albrecht: Das machst Du dann einfach so. Hast Du keine Angst? Ich hab das nun schon von anderen gehört, die anfangen zu zittern, wenn nach fünf Minuten keiner lacht.
Martina Schwarzmann: Nein. Also ich hab da Spaß dran auch das Publikum mal auf den Arm zu nehmen. Ich hab das auch am 1. April gemacht. Kurz vorm April ist mir eingefallen, ich könnte ja mal das Publikum in den April schicken und hab dann so getan, als ob ein anderes Programm dran wäre. Ich bin dann auf die Bühne raus. Es war ein ausverkauftes Haus. Und ich hab dann gesagt ‚ Ja Hallo es freut mich sehr, also beim Kabarett bin ich es schon gewohnt, dass immer ausverkauft ist, aber das jetzt auch zu meinem ernsten Liedermacherprogramm so viele Leute gekommen sind, das freut mich sehr. Weil es mir sehr am Herzen liegt’. Und ich hab dann sehr betroffen angefangen über unbekannte Liedermacher zu erzählen, die halt nie Erfolg hatten und dass ich jetzt deren Lieder spiele, weil sie es selber nicht mehr können. Am Anfang haben sich die Leute noch unterhalten und dann merkte man, dass sie immer ruhiger wurden. Und dann hab ich gedacht ‚scheiße, was hab ich für ein höfliches Publikum?’. Dann hab ich das erste Lied zu singen angefangen und die waren total still. Dann nach zwei Strophen hab ich gesagt ‚April, April’. Und dann gab es ein richtig erlösendes Lachen und die haben sich sehr gefreut, dass es nur ein Scherz war. Und ich werd da nicht nervös, wenn die nicht lachen oder so.
Katharina Albrecht: Noch mal zurück zu dem Unterschied zwischen Frauen und Männern im Publikum. Ist es schwerer Frauen zum Lachen zu bringen?
Martina Schwarzmann: Nein denk ich nicht. Ich denk eher was oft ein Thema ist- dass die Frau im Publikum, die Frau auf der Bühne eher als Konkurrenz sieht. Wie jetzt der Mann den Mann auf der Bühne sieht, der denkt da nicht drüber nach. Und wenn da jetzt eine super Puppe auf der Bühne steht, dann denkt sich die Frau ’wo schaut er denn jetzt hin?’. Das ist was, worüber ich mir schon eher mal Gedanken gemacht habe. Ich bin ja recht bieder auf der Bühne angezogen.
Katharina Albrecht: Mit Absicht?
Martina Schwarzmann: Ja.
Katharina Albrecht: Also das ist schon mit Bedacht so gewählt?
Martina Schwarzmann: Das ist einfach deshalb, weil ich mir denke ‚ich will ja keinen Ablenken’. Ich habe Inhalte und deswegen muss ich mich nicht total aufbretzeln.
Katharina Albrecht: Das ist interessant, dass da die Überlegung ja schon drin ist, auf der einen Seite, die Frauen nicht aufzuregen, die Männer aber auch nicht.
Martina Schwarzmann: Nein, nein. Ich will auf keinen Fall…Also ich war früher Köchin und hab einmal bei einer Mitarbeiterschulung teilgenommen, wo es um seriöses Auftreten im Job ging. Das heißt offene Haare sind unseriös, der Rock sollt mindestens bis zu Knie gehen und das Dekolleté sollte nicht zu tief sein, weil man sonst einfach nicht ernst genommen wird. Und genauso, wenn man jetzt Sängerin ist, wie Kylie Minogue, dann kann man auch nackt rumtanzen, denn das baut ja darauf auf, das ist keine Frage. Aber ich möchte kein Publikum, das wegen der Optik kommt. Ich will nicht das jemand sagt ‚wann gehen ma zur Schwarzmann’ /augenzwinker/ nur deswegen.
Katharina Albrecht: Ist das bei Männern auch so, dass die sich solche Gedanken machen müssen bevor die auf ne Bühne gehen?
Martina Schwarzmann: Ja. Ich denk, dass Frauen eher darüber nachdenken, was zieh ich heute an. Ich zieh jeden Abend das Gleiche an, weil ich über so was nicht nachdenken möchte. Man merkt ja selber auch, wenn man total aufgebrezelt ist und hat ein tiefes Dekolleté, dann ist der Gegenüber auf jeden Fall abgelenkt und ich will auf keinen Fall ablenken.
Katharina Albrecht: Ablenken durch Körperlichkeit. Spielt also für Frauen auf der Bühne das Aussehen eine wichtigere Rolle als für Männer?
Martina Schwarzmann: Mit Sicherheit. Es gibt ja auch welche, die ihre Karriere aufs Aussehen aufbauen und dann muss man dann halt damit rechnen, dass wenn man dann älter ist und nicht mehr so gut aussieht, dass es dann vorbei ist. Und deswegen möchte ich darauf nicht aufbauen, denn das ist mit zu kurzfristig gedacht.
Katharina Albrecht: Sind die Leute bei Frauen insgesamt einfach kritischer? Gerade wenn sie einem etwas über die Welt erzählen wollen?
Martina Schwarzmann: Ich glaub nicht.
Katharina Albrecht: Kommen wir noch mal zu Deinen Fernseherfahrungen. Du hattest es ja nicht ganz leicht am Anfang. Bei „Ottis Schlachthof“ hattest Du es mehrfach probiert. Wie war das genau?
Martina Schwarzmann: Ich hab drei Jahre einfach immer wieder neues Material geschickt. Wenn ich ein neues Video hatte und hab immer wieder angerufen und hab so lange genervt, bis ich halt drangekommen bin.
Katharina Albrecht: Woher kommt diese Hartnäckigkeit? Dieses Selbstvertrauen?
Martina Schwarzmann: Ich weiß nicht. Wenn man halt was will, dann muss man sich das halt erarbeiten.
Katharina Albrecht: Und warum wolltest Du unbedingt ins Fernsehen?
Martina Schwarzmann: Weil das ein der logische nächste Schritt war. Und weil man da mehr Leute erreicht. Also für mich ist Fernsehen immer einfach ein Werbemittel. Das ist für mich kein Arbeitsplatz, sondern ein Werbemittel. Und ich weiß, dann sehen einen halt viele Leute, die von allein nicht drauf kommen, dass es einen gibt. Deswegen.
Katharina Albrecht: Und irgendwann hieß es dann ‚komm jetzt halt’?
Martina Schwarzmann: Ja genau. Irgendwann hieß es‚darfst jetzt kommen und darfst die Schlussnummer spielen.’ Du hast so und soviel Minuten Zeit und dieses Lied möchten wir haben. Genau. Und das hat dann gepasst und dann wurde ich wieder eingeladen und seitdem bin ich regelmäßig dort.
Katharina Albrecht: Mit den Kollegen auch den männlichen kommst Du gut zurecht?
Martina Schwarzmann: Ja sehr. Die meisten im Kabarett sind sehr nett und man kommt sehr gut miteinander aus. Das ist wirklich zu vielen auch eine Freundschaft, wo man sich auch mal abspricht. Gerade in den Anfangszeiten muss man viel miteinander arbeiten, damit das was wird. Man muss sich gegenseitig einfach unterstützen.
Katharina Albrecht: Die meisten männlichen Kollegen sind ja älter, oder? Ist das dann eher wie so ein „Vater-Tochter-Verhältnis“?
Martina Schwarzmann: Nein eigentlich nicht. Wir sind Kollegen.
Katharina Albrecht: Auf Augenhöhe?
Martina Schwarzmann: Hm.
Katharina Albrecht: Und man gibt sich gegenseitig auch Tipps?
Martina Schwarzmann: Ja auch.
Katharina Albrecht: Kommen wir noch mal zu „Ladies Night“. Das Format ist ja im Grunde positiv für Kabarettistinnen, weil es ihnen ein Forum bietet, das sie sonst nicht so leicht bekommen. Außer sie sind so hartnäckig, wie Du. Besteht da nicht auch eine gewisse Gefahr sich als Frauengruppe so „einzunischen“. Und das man sich darauf dann auch festlegt und da nicht mehr rauskommt?
Martina Schwarzmann: Nein das denk ich nicht. Es ist ja auch kein Format das unter dem Motto läuft „ wir geben Randgruppen heute eine Chance“,…
Katharina Albrecht: Das ist ja die Frage.
Martina Schwarzmann: …sondern „Ladies Night“ ist eigentlich gut angenommen und es ist ja auch eine gute Sendung. Und wir haben ja auch bei „Ottis Schlachthof“ mal eine reine Frauenrunde gemacht und da kam sehr viel Reaktion und Lob, dass es einfach eine super Runde war und einfach eine super Sendung.
Katharina Albrecht: Weißt Du noch wann die war?
Martina Schwarzmann: Vor zwei Jahren war das.
Katharina Albrecht: Die Moderatorin von „Ladies Night“ die Gerburg Jahnke, hast Du Dich mit der auch mal über dieses Thema ausgetauscht?
Martina Schwarzmann: Nein. Es ist eigentlich selten ein Thema unter Frauen. Wir reden da nicht viel drüber, da gibt es andere Themen.
Katharina Albrecht: Ist Dir jemals vorgeworfen worden keine Dramaturgie zu haben, oder dass ein roter Faden fehlt oder die Pointendichte zu gering sei?
Martina Schwarzmann: Nein.
Katharina Albrecht: Noch nie gehört?
Martina Schwarzmann: Nein, nein.
Katharina Albrecht: Keine Kritik in der Richtung? Auch nicht von Kollegen?
Martina Schwarzmann: Nein da hat noch nie einer gemeckert.
Katharina Albrecht: Interessant.
Martina Schwarzmann: Was ich schon öfter gehört hab von Kollegen ist, dass sie mich darum beneiden, dass ich so harte Themen ansprechen darf. Weil man es mir nicht übel nimmt.
Katharina Albrecht: Was wäre so ein hartes Thema?
Martina Schwarzmann: Das Lied mit der Gummipuppe. Das haben viele gesagt ‚super Lied’ aber wenn sie das singen würden, es würde sofort als frauenfeindlich abgestempelt. Mit Sicherheit mach ich Sachen, die ich deswegen machen kann, weil ich eine Frau bin.
Katharina Albrecht: Hm. Das haben Männer gesagt?
Martina Schwarzmann: Ja. Das haben Kollegen gesagt.
Katharina Albrecht: Von Frauen kommt so was aber nicht?
Martina Schwarzmann: Nein.
Katharina Albrecht: Mal zu den Pressetexten, die auf deiner Internetseite sind. Manche sind von Frauen geschrieben und manche von Männern. Da stehen dann so Sachen wie: „ Dünnes Jeans-Mädel“, „Freche Göre“, „Power-Frau“, „ungeschminktes Lausbubengesicht“ ich hab hier mal so eine Liste gemacht „schüchterne Oberschülerin“, „auf den ersten Blick harmlos“, „unschuldige Oberfläche“ und so weiter. Oder hier das war auch interessant, da ging es relativ lange um …also“ wie ein unsicheres Kind“. Stört Dich so was oder findest Du das in Ordnung? Fühlst Du Dich da richtig charakterisiert? Gerade wenn es um Dein Äußeres geht?
Martina Schwarzmann: Die empfinden das halt so. Ich empfinde mich nie als unsicheres Mauerblümchen. Die haben halt diesen ersten Eindruck. Das ist Ihr erster Eindruck und ich weiß, dass viele Leute von mir so einen ersten Eindruck haben. Das ist auch im Privaten so, dass sie denken ‚was will jetzt das Trutschl da?’. So ist es auch, wenn ich auch die Bühne gehe. Sie unterschätzen mich erstmal und sind dann doch überrascht, wenn ich was sag.
Katharina Albrecht: Damit arbeitest Du auch, mit diesem Widerspruch?
Martina Schwarzmann: Ja, ja. Aber das habe ich mir nicht ausgedacht. Das war halt schon immer so. Ich bin schon immer unterschätzt worden. Weil ich halt so normal ausschaue und eher bieder. Und auch eher ruhig bin auf der Bühne.
Katharina Albrecht: Es gibt ein Lied von Dir „Interview“. Ich hab leider den Text nicht herausfinden können. Aber ich deute den Titel so, dass Du darin Erfahrungen verarbeitest, die Du mit Journalisten gemacht hast in Interviews. Also Sachen die Dich nerven? Oder Fragen, die ein bisschen blöde sind?
Martina Schwarzmann: Es gibt schon manchmal welche, die total nervig sind. Das Lied habe ich geschrieben, weil mich mal einer gefragt hat ‚Frau Schwarzmann was hat eigentlich Ihre Brille für eine Bedeutung?’. Hä? Geht´s noch? Das war aber zu der Zeit, wo Daniel Küblböck gerade populär war und da haben sie halt gemeint meine Brille hätte irgendwas mit Küblböck zu tun. Ich weiß es nicht. Man hat oft mit Journalosten zu tun, die schlecht vorbereitet sind. Vor kurzem hab ich erst wieder ein Interview für einen regionalen Fernsehsender gehabt. Da war ein Mädel, das war vielleicht 20 und hat halt gesagt ‚Ja Frau Schwarzmann, ich kenn ja Ihr Programm nicht und ich hab ja auch noch nie was von Ihnen gehört. Jetzt erzählen Sie doch dem Zuschauer mal, was so das Lustigste ist im Programm.’ Das sind so Fragen wo man denkt ‚Hallo Mädel, bereite Dich mal vor’. Ich hab Ihr dann gesagt, dass das anspruchsvollste der Salto Rückwärts ist, weil mich das dann körperlich am meisten fordert. Wenn ich mein Gegenüber nicht mehr ernst nehmen kann, dann verarsch ich die auch schon mal und erzähl denen irgendwas.
Katharina Albrecht: Ich frag jetzt auch mal ganz blöd. Darum geht es auch in dem Lied?
Martina Schwarzmann: Nein in dem Lied geht es darum, dass er mich fragt, was ich für ein Typ bin und dann erklär ich ihm das kurz. Da sag ich „I stör d'Fliang beim vegln need, lackier ma d'Fingerneegl need“ und so weiter. Das ist so ein Lied um sich kurz vorzustellen, dem Publikum auch kurz vorzustellen, damit die grob überreißen können mit wem sie es heut zu tun haben.
Katharina Albrecht: Kommt es auch vor, dass Du denkst, das fragen die mich doch nur, weil ich eine Frau bin. Dass würden die einen Mann doch niemals fragen? So wie ich jetzt.
Martina Schwarzmann: Nein. Das gibt es eigentlich nicht. Außer wenn sie mich fragen, ob ich denn mal Kinder haben will. Das ist sicher eine Frage, bei der ich mir denke, die würden sie einem Mann nicht stellen.
Katharina Albrecht: Mit den äußerlichen Beschreibungen in der Presse. Damit hast Du kein Problem?
Martina Schwarzmann: Nein, nein. Ich weiß ja, dass das so ist. Dass ich sehr harmlos wirke und da hab ich kein Problem damit. Wenn jetzt jemand schreiben würde ‚ein potthässliches Mauerblümchen betritt die Bühne’, dann wär´ ich vielleicht schon etwas empfindlich. Da steht dann oft ‚Sie betritt ungeschminkt die Bühne’, wo ich mir immer denk ‚na ich bin eigentlich schon geschminkt’. Aber wenn man es nicht sieht, ist das ja auch okay.
Katharina Albrecht: Ich komme jetzt zu ein paar allgemeinen Fragen. Glaubst Du, dass wir eine spezielle „Frauensicht“ auf die alltäglichen Dinge brauchen und auch bei politischen Themen? Oder gibt es überhaupt eine spezielle „Frauensicht“ auf die Gesellschaft?
Martina Schwarzmann: ….Hm..
Katharina Albrecht: Also sehen Frauen die Dinge anders, weil sie andere Erfahrungen machen als Männer, die aber eben nicht so häufig thematisiert werden.
Martina Schwarzmann: Das kann sein. Hast Du ein Beispiel?
Katharina Albrecht: Also die „Misfits“ damals waren ja schon revolutionär. Dass die zum Beispiel auf die Bühne gegangen sind und dann Sachen umgedreht haben. Also ihre Band zum Beispiel behandelt haben wie kleine Lausbuben. Wo dann dem Zuschauer plötzlich klar wir ‚ja krass, so ist es ja normalerweise umgekehrt, aber das fällt uns nie auf.’
Martina Schwarzmann: Ja. Das kenn ich von einem Mann und zwar Michi Dietmeier. Der hat ein Lied das heißt „Schatz bitte nicht jetzt“ und da erzählt er wie seine Frau besoffen Heim kommt. Das ist auch alles umgedreht aus der Sicht von einem Mann, wenn alles umgedreht ist. Das ist ein sehr lustiges Lied. Da denkt man ’ja so hab ich es noch nicht gesehen’.
Katharina Albrecht: Ja genau. Durch solche Sachen schafft man ja erst eine Aufmerksamkeit für ein Thema und bringt eine andere Sichtweise das mein ich mit „Frauensicht“ auf die Dinge.
Ist es wichtig, dass es so etwas gibt?
Martina Schwarzmann: Denk ich schon aber es gibt ja fast so viele Frauen wie Männer oder Männer wie Frauen und da ist es normal, dass beide Sachen von beiden Geschlechtern gesehen werden.
Katharina Albrecht: Was glaubst Du, woran es liegen könnte, dass es weniger Frauen insgesamt im Comedy/Kabarettbereich gibt?
Martina Schwarzmann: Es gibt bestimmt einige Gründe. Einen Grund den ich mir denke, ist dass Männer zum Teil selbstbewusster sind. Wenn eine Frau einen schlechten Auftritt gehabt hat, dann denkt sie drüber nach, was sie falsch gemacht hat und ein Typ kommt von der Bühne und sagt ‚ ja das Publikum war scheiße’. Es gibt auch sehr sensible Kabarettisten, die mit Sicherheit dann wochenlang an sich selber zweifeln und die nicht sagen das Publikum war scheiße. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mann sagt das Publikum war scheiße ist glaub ich höher, als dass eine Frau das sagt. Dann ist es mit Sicherheit auch so: Frauen wollen oft gut ausschauen, bei dem was sie machen. Wenn man aber lustig ist, schaut man oft nicht gut dabei aus. Das ist mit Sicherheit auch ein Grund. Und was natürlich auch ein großer und wichtiger Grund ist, ist die „Ochsentour“ am Anfang. Das ist sehr Mühsam. Da ist man als Frau vielleicht nicht so sehr dafür geeignet. Wenn man dann nachts im Ruhrgebiet strandet, weil keine S-Bahn mehr kommt, es ist Winter das Handy ist leer und man sitzt da und es kommen nur Besoffene und Gestörte vorbei, dann hat man halt einfach Angst. Und am Anfang hat man auch oft nicht das Geld für ein Hotelzimmer, wenn man irgendwo ein Gastspiel hat. Da muss man privat beim Veranstalter übernachten. Da hab ich mal eine Vorstellung gehabt: Der Veranstalter hat mich vom Bahnhof abgeholt, der hat schon so schlimm ausgeschaut und dann hat er mir auf dem Weg zu sich erzählt, dass seine Frau vor zehn Jahren gestorben ist und dass es deswegen ein „bissel ausschaut“ bei ihm zu Hause. Und das war eine total versiffte Bude, wo ich da hab übernachten müssen. Und der hat auch kein Badezimmer gehabt, das man abschließen konnte, da war nicht einmal eine Tür drin. Und er hat dann gemeint, die Dusche ist auch kaputt aber ich könne ja gern baden. Und das, wo man nicht abschließen kann und so Sachen. Dann musste ich da im Speicher übernachten und ich hab dann da so eine dreiteilige Matratze gehabt, die bei jeder Bewegung Geräusche gemacht hat, so dass ich gemeint hab es kommt einer die Treppe hoch. Und das war halt total in der Pampa und ich hab auch kein Handynetz gehabt. Das sind dann so Sachen, wo ich mir denk, das würden andere vielleicht nicht so mit machen.
Katharina Albrecht: Warum tu ich mir das alles an?
Martina Schwarzmann: Ja genau.’ Ich hab doch was Gescheites gelernt. Ich hab das doch überhaupt nicht nötig, dass ich jetzt hier im totalen Niemandsland eine Nacht voller Angst verbring.’
Katharina Albrecht: Aber Du hast es durch gestanden.
Martina Schwarzmann: Ja, ja. Ich hab das immer durch gestanden. Ich hab mir immer gedacht ‚morgen ist dann wieder ein neuer Tag und da wird es dann wieder anders’. Es ist auch schon passiert, dass betrunkene Veranstalter mich nach der Vorstellung dann angebaggert haben, wo ich dann aber noch da übernachten musste, wo die dann gemeint haben ’ja komm da geht jetzt noch was’. So was passiert auch. Es passiert zum Glück sehr, sehr selten aber es passiert halt auch.
Katharina Albrecht: Du steckst das irgendwie weg und hast Dich davon nicht sonderlich beeindrucken lassen.
Martina Schwarzmann: Nein. Wenn ich so was erlebe, dann warne ich die Kolleginnen davor und erzähl das auch den Kollegen, damit die wissen mit wem sie es da zu tun haben.
Katharina Albrecht: Glaubst Du, dass Männer und Frauen grundsätzlich einen unterschiedlichen Humor haben?
Martina Schwarzmann: Ich glaub, dass das immer typabhängig ist. Also ich kenn Frauen, die keinen Humor haben und ich kenn auch viele Männer, die auch keinen Humor haben. Man kann das nicht aufs Geschlecht schieben.
Katharina Albrecht: Vielleicht noch mal zum Angriffshumor. Du hast ja auch gesagt, Du greifst nicht nur an oder es liegt Dir nicht jemanden als Zielscheibe zu benutzen, um den ganzen Abend auf ihm rumzuhacken.
Martina Schwarzmann: Ja.
Katharina Albrecht: Glaubst Du dass das ein typisches „Frauending“ ist, vielleicht weniger Angriffshumor zu haben und das sie einfach selbstironischer sind?
Martina Schwarzmann: /stöhn/ Glaub ich eigentlich nicht. Also man hackt ja nicht den ganzen Abend auf einem rum aber man hackt schon gelegentlich auf jemandem rum.
Katharina Albrecht: Glaubst Du Emanzipation ist schon eine erledigte Geschichte?
Martina Schwarzmann: Ich glaub, dass das eine Sache von jedem selber ist, wie er das lebt. Ich hab mich letztens mit Freundinnen unterhalten, die gesagt haben ‚der Schuss mit der Emanzipation ist voll nach hinten losgegangen’, weil die beide ihre Männer durchfüttern müssen. Die haben gesagt ,das hat uns die Emanzipation eingebracht, dass hat es früher nicht gegeben.’ Es kommt darauf an in welcher Situation man halt ist. Ich wohn halt in Bayern voll auf dem Land und da sind die Rollenbilder noch eher wie früher. Da ist klar aufgeteilt, wer was macht. Und bei mir ist es so, ich mach den Haushalt und ich koch auch, wenn ich daheim bin aber einfach weil ich es gern mache und weil ich das gelernt habe und weil das für mich kein Thema ist. Also von daher kann ich nicht sagen, dass ich nicht emanzipiert bin. Also man muss immer schauen, wie man das für sich persönlich einfach am besten gestaltet.
Katharina Albrecht: Wir als junge Frauen haben es da im Endeffekt leichter als die Älteren oder?
Martina Schwarzmann: Ja mit Sicherheit. Ich seh´ es ja auch bei meinen Brüdern. Wir sind halt so erzogen worden. Als ich älter war, haben halt meine Brüder nie putzen müssen. Die haben halt eher dem Papa draußen auf dem Hof geholfen und ich hab halt dann eher meiner Mutter im Haus geholfen. Und das ist was, wenn ich mal selber Kinder hab, was ich halt anders machen würde. Das jeder alles kann.
Katharina Albrecht: Das heißt es gibt schon noch Sachen, die noch bearbeitet werden müssten? Aber Du siehst es als etwas Privates. Ist es nicht auch so ein Gesamtgesellschaftliches Ding?
Martina Schwarzmann: Na klar. Es ist natürlich auch im gesamtgesellschaftlichen besser, wenn auch mehr Frauen in Führungspositionen wären und so. Aber das sind alles Sachen, da weiß man ja auch woran das scheitert. Das einfach Frauen, Frauen nicht so gern hochkommen lassen. Es gibt so viele Frauen, die einfach frauenfeindlicher sind, als viele Männer, weil sie einfach sagen ‚unter Frau arbeite ich nicht’. Gibt´s sehr viele. Und ich find es einfach schade, dass da immer noch so ein denken ist. Meine Meinung ist, es sollte einfach überhaupt kein Thema sein.
Katharina Albrecht: Aber ist es denn schon soweit?
Martina Schwarzmann: Soweit ist es noch nicht. Ja bei manchen ist es schon weiter, so dass es schon wieder umschlägt und bei manchen ist es noch wie im Mittelalter. Da gibt es so Sachen wie Stutenbissigkeit und Mobbing und so, wo sich Frauen gegenseitig klein halten und das sollte halt nicht sein.
Katharina Albrecht: Sind die Frauen das Problem?
Martina Schwarzmann: Ich glaub, dass Frauen einfach eher fähig sind so Psychoterror zu machen, als Männer. Ich glaub Männer haben da nicht das Interesse oder wenden da nicht die Energie auf, dass sie sich gegenseitig so mobben. Also wenn ich gemobbt worden bin, dann immer von Frauen.
Katharina Albrecht: Vielleicht auch deshalb, weil sie es allgemein schwerer haben?
Martina Schwarzmann: Das glaub ich nicht. Nein, weil eine Frau eine Frau immer als Konkurrenz sieht, also oft.
Katharina Albrecht: Ja vielleicht, weil es oben immer dünner wird und das wissen die ja.
Martina Schwarzmann: Nein das glaub ich nicht. Ich glaub, dass man dazu so veranlagt ist. Dass es deswegen so ist.
07|02|08 SZ Extra, Theater/Kabarett/Klassik

17|12|07 Münchner Merkur, Lokalteil

17|07|07 Cham

04|05|07 Fränkischer Tag

März|07 Der Bote - Nürnberger Land

02|03|07 Rheinische Post - Düsseldorf

17|01|07 Scheene Dog

11|02|06 Der Neue Tag -Kultur Regional
Mit Voodoo-Gstanzln gegen Semmeldschums'n
19|12|05


21|02|05

07|03|05 Pockinger Anzeiger Lokalteil

09|03|05 Fränkische Landeszeitung

19|04|05 Schwäbische Zeitung
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Süddeutsche Zeitung

Adler Livebühne Programmheft II 05

07|05|05 Oberpfalznetz
Von Andrea Prölß | 07.05.2005 | Netzcode: 10712842
Jugendliche Naivität und Abgefeimtheit
Kabarett-Nachwuchskünstlerin Martina Schwarzmann begeistert im Schmidt-Haus
Nabburg. "Haben Sie ihren Auftritt in Ottis Schlachthof gesehen?" "Die" Frage des Abends bezüglich "der" bayerischen Kabarett-Nachwuchskünstlerin. Martina Schwarzmann hat alle begeistert. Nicht nur die Fans von Ottfried Fischers satirischer Stammtischrunde, sondern auch die Juroren renommierter Kabarett-Wettbewerbe. Publikumsliebling beim Passauer Scharfrichterbeil, zweiter Platz beim Thurn-und-Taxis-Kabarettpreis und Paulaner Solo. Mit Tendenz nach oben. Kein Wunder also, dass die Karten für ihren Auftritt im Nabburger Schmidt-Haus innerhalb weniger Stunden ausverkauft waren.
"Schräge Töne - Klare Worte" lautet ihr derzeitiges Programm. Und einzigartig schräg ist in ihrem Fall die Diskrepanz zwischen äußerem Erscheinungsbild und kabarettistischem Inhalt. Mit braver Hochsteckfrisur und kecker Brille auf der Nase versprüht sie auf dem ersten Blick den verwegenen Charme einer Grundschul-Lehramtsanwärterin. Doch die Lieder, die gut die Hälfte des Programms füllen, haben es in sich. Mit zarter Stimme, mit der sie "ned ganz n'auf und ned ganz n'unter kemmt", und sich selbst mehr recht als schlecht auf der Gitarre begleitend, besingt sie scheinbar Belangloses, das jedoch blitzschnell ins Groteske abdriftet.
Schräg-skurrile Lieder, die beim genauen Zuhören nur so vor Hinterlist und schwarzem Humor strotzen. Wenn sie im Lied vom "verschärften Scheiß-Tag" die mysteriösen Zusammenhänge zwischen Altarkerzen und einer schwangeren Nonne ans Tageslicht befördert, bleibt so manchem braven Katholiken erst einmal das Lachen im Halse stecken. Nein, die Unschuld vom Lande ist Martina Schwarzmann wahrlich nicht. Aber sie spielt gekonnt mit diesem Image.
Eine bislang einzigartige Mischung aus jugendlicher Naivität und Polt'scher Abgefeimtheit, mit der sie überrascht und fasziniert. Spontan und unangestrengt ihr Plausch mit dem Publikum, wobei sie sich schon mal gerne "verratscht", über die Zusammenhänge zwischen erhöhtem Alkoholkonsum und Single-Dasein sinniert. Lieder über die Tragik eines "b'suffenen Singles" und die "brutal wichtige soziale Funktion" einer "Dorf-Ratsch'n" verweisen auf ihre Herkunft aus dem 900-Seelen-Kaff Überacker, wo sie mit Blick auf dem "Kaibl-Stall" ihre manchmal bitterbösen, manchmal auch einfach nur saukomischen Texte schreibt.
Lacher des Abends, das Lied vom "Fleischfachverkäuferinnen-Fetischisten" mit dem herrlich gelispelten, mit spanischem Zungenschlag exotisch aufgepeppten Refrain "Derf's a bisserl mehrer sei?". Noch viel, viel mehr wollte das Nabburger Publikum hören, doch nach drei Zugaben war Schluss. Denn "bloß an Depp'n treibt ma mit Lob zur Arbeit."
19|05|05 Süddeutsche Zeitung Ebersberg

30|05|05 MAIN-ECHO Kulturseite

Martina Schwarzmann im Weissbierstadel Abensberg
Darfs a bissal mehra Sai? Wahr das Motto des Abends. Martina Schwarzmann gemeinsam mit den Bananafishbones unplugged, da Staunt der Münchenr nicht schlecht was da in der Provinz so los ist.
Im Weissbierstadel Abensberg gab Martina Schwarzmann wieder mal ein spitzen Konzert. Die Mischung aus Comedy, Kabaret und Bayerischen Hardcorefunsound war die perfekte Mischung um den Weissbierstadel Zum kochen zu bringen. Ob allerdings der versuch glückte das Publikum kollektiv in Fleischwarenfachverkäuferinnen-Fetischisten zu verwandeln darf bezweifelt werden. Trotz "Pfiadde I wünsch da wos" konnte Sie dank dem beharrlichen Zuschauereinsatz die Bühne nicht vor der zweiten Zugabe verlassen.
Im Anschluß gaben noch die Bananafishbones ein ausgezeichnetes unplugged Konzert.
Wer die Gelegenheit hat Weissbierstadel einmal Live zu erleben sollte sich das nicht entgehen lassen.
Weitere Infos:
www.muenchen-live-musik.de
30|11|04 Straubinger Tagblatt
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09|11|04 Münchner Merkur

"Das sie es im tiefsten Preußen geschafft hat noch dazu als erste Frau, im Kampf um den Pudding, spricht für sich. Unbedarft und einfältig gibt sie sich..ihre Lieder handeln von Fleischfachverkäuferinnenfetischisten oder den Memorien einer Gummipuppe, die sie auf ihre schüchtern-charmante Art neben vermeintlich ernst gemeinten Gedichten mit umwerdend komischer Wirkung präsentiert."
Neue Westfälische
"Mit Martina Schwarzmann tritt eine Frau ins Rampenlicht, die sich erfreulich eigenständig präsentiert und vom üblichen Comedy-Einerlei abhob."
Westfahlenblatt
"Sie ist überraschend und charmant. Sie ist ein Typ und trotzdem authentisch, sie kokettiert mit ihren scheinbaren Schwächen und war die absolute Abräumerin des Abends."
Aus der Begründung der Jury in Bielefeld
"Eine originelle und eigenwillige One-Women-Show. Sie bringt das Kunststück fertig, ihr Publikum mit minimalistischen Mitteln in einen Rauschzustand zu versetzen. Ihre Texte verblüffen durch Hinterlist, Offenherzigkeit, tiefschwarze Komik und kluge Gedanken."
Kölner Stadtanzeiger 03-12-02
"Spontanität, Vertraulichkeit, ein Schuß Naivität und jede Menge originelle Einfälle zeichnen Martina Schwarzmann aus."
Süddeutsche Zeitung
"Die Mundartistin bewies komödiantische Qualität und erfrischende Natürlichkeit. Im Spiel mit dem Publikum zeigte Schwarzmann überraschende Spontanität und Treffsicherheit. Selbst Schlüpfriges, was bei anderen peinlich oder verletzend wirken würde, ist bei ihr umwerfend komisch und originell."
Süddeutsche Zeitung 28-10-02
"Die urbajuwarische Komikerin oder besser urkomische Bayerin aus dem wenig-Seelen-Kaff Überacker ist sich Ihrer "angeblichen" Schwächen und deren Wirkung durchaus bewusst und zeigt, dass sie es faustdick hinter den Ohren hat."
Neue Westfälische 09-10-02
"Wenn Martina Schwarzmann Ihre Schweinigel-Lieder singt, erlebt man eines der hoffnungsvollsten Talente des Deutschen Kabaretts!"
Kölner Express 27-11-02 che